Dresden, Berlin, Erfurt, Potsdam, Kiel, Schwerin, Saarbrücken,
Bremen, Bonn – neunmal seit 2000 durften die Landskron Herolde
Görlitz die zentralen Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen
Einheit mit gestalten. Seit 2001 in Berlin war man durchweg in
der „Mission Zipfel“ unterwegs, zuletzt aber nicht
ausschließlich. Denn auch der Freistaat Sachsen hatte die
Görlitzer Spielleute für sich „entdeckt“. Neben musikalischen
Aufwartungen vor den Festzelten und der Begleitung von
Politikern auf den Festmeilen waren die Herolde mehrfach bei
den traditionellen Musikparaden am Start, so auch in diesem
Jahr in Bonn. Bei
den zentralen Festen zur Deutschen Einheit besitzt Görlitz
dank der „Zipfelidee“ die jährlich einmalige Chance, sich
einem zahllosen überregionalen Besucherstrom zu präsentieren.
Denn praktisch als
„17. Bundesland“
dürfen die Zipfelgemeinden Oberstdorf, Selfkant, List und
Görlitz ihr Festzelt mit auf der Ländermeile aufschlagen und
zudem ein Bild in den Musikparaden gestalten. Görlitz ist
dabei stets zahlreichen Gästen ein Begriff, sei es durch seine
Architektur, den 15. Meridian, das Landskron Bier, oder weil
es „Landsleute“ auf Suche nach Arbeit in die Weiten der
Republik trieb. Am Sonntag vor dem Tag der Deutschen Einheit
wurde den „Zipfeln“ eine komplette Stunde eingeräumt, sich in
Bonn auf der Länderbühne zu präsentieren.
Aber weil die Landskron-Herolde nach ihren Touren durch die
alljährlichen Einheits-Feierlichkeiten auch die Entwicklung
des „Zipfelgipfels“ beurteilen können, stellt sich die
Besorgnis ein, der „Zipfelbund“ könnte irgendwann zerbrechen.
Denn ein zunehmendes Desinteresse bei der Gestaltung des
„Zipfelzeltes“ und der Repräsentation vor Ort ist nicht zu
übersehen. Natürlich lässt sich der Aufwand für einen
attraktiven Anlaufpunkt auf den jeweiligen Festmeilen nicht
sofort in schwarzen Zahlen errechnen. Aber kein zweites Mal im
Jahr hat der Zipfelbund die Gelegenheit, derart komprimiert
auf sich aufmerksam zu machen. Die
Görlitzer Oberbürgermeister waren in den vergangenen Jahren
immer vor Ort. Vor deren Erscheinen und nach ihrer Abreise
aber war Görlitz zumindest gefühlt unterrepräsentiert. Zudem
sind Fragen anderer Zipfelvertreter an die Herolde, wer denn
aus Görlitz noch erscheine, ebenso keine Seltenheit geworden
wie Klagen über angeblich unerwiderte Kontaktversuche, wenn es
galt, die Ausgestaltung des „Zipfelgipfels“ abzustimmen. Die
Fahne der Zipfelgemeinden kündete letztmalig in Saarbrücken
vom Zelt der „Randdeutschen“. Sie ist seither verschwunden.
Dafür standen in Bremen Landskron- Schirme, Landskron Bier und
die Fleischerei Hein für Görlitz.
Nur
noch OB Paulick sowie eine Gesandte der Wirtschaftsförderung
fanden neben Prospekten der Neißestadt und den Landskron
Herolden den Weg in die ehemalige Bundeshauptstadt. Bier gab
es nun aus Linnich-Welz und den Käse traditionell aus Bayern.
Dazwischen türmten einige wenige Prospektständer. Kein
Landskron Bier, keine Zipfelwurst – Görlitz war in Bonn
einfach nicht „zu genießen“. Es
hat den Anschein, als sei mit Matthias Schneider, einem der
Mitbegründer der Zipfelidee, auch der Enthusiasmus für den
Verbund aus Görlitz weggezogen. Aber eine Idee lebt nur mit
Enthusiasmus, nicht mit gefühlter Zwangsläufigkeit. Es ist an
der Zeit, dass sich die zuständigen Vertreter der
Zipfelgemeinden wieder als „verschworener Bund“
zusammenfinden. Ob die Landskron Herolde auch 2012 in München
mit von der Partie sein können, ist zweitrangig. Wichtig aber
ist die Vorbereitung der Präsentation von Görlitz in der
bayerischen Landeshauptstadt schon jetzt. Denn dass der
nächste 3. Oktober bestimmt kommt, ist schon heute absehbar.
www.Landskron-Herolde.de